Juni 2019
Nein, es ist keineswegs übertrieben Skiáthos mit der Karibik zu vergleichen, denn 66 mit weissen bis hin zu goldgelben Traumstränden umspielt mit kristallklarem, türkisblauen Wasser sind hier Standard. Skiáthos gehört zu den nördlichen Sporaden und ist die kleine „Schwesterinsel“ von Skopelos, welche als Drehort für den Film „Mamma Mia“ ausgewählt wurde.
Am Mittwoch Morgen wird uns ein Jeep (4×4) ausgeliefert, obwohl wir eigentlich einen Peugeot 207 bestellt hatten. Nun ja, was soll’s- für etwas wird diese Verwechslung gut sein und so starten wir mit dem alten, klapprigen Jeep unsere Rundreise. Martina übernimmt in Unterstützung von Google Map die Navifunktion. Als erstes peilen wir die Beach „Koukounaries“ an, welche bekannt ist für saphirblaues Wasser und goldglitzender Sand. Nun, wir waren genau 2 Minuten da, denn er war schlichtweg zu touristisch und damit überladen. Die Besonderheit, dass im Hintergrund dieses Strandes ein See liegt, kommt zudem erst richtig zum Vorschein, wenn man etwas erhöht auf die Bucht schaut.
Um den touristischen Strömen zu entkommen, leitete mich Martina dann an, einem kleinen Weg zu folgen. Leicht skeptisch bog ich in einen sandigen Weg, der immer schmäler wurde und schon sehr bald nur noch mit Wanderweg-Schildern markiert war. Die Hitze resistenten Wanderer warfen uns auch wenig freundliche Blicke zu, als wir sie so vor uns trieben. 🤔 Also drehten wir auf dem schmalen Pfad um – was meiner Meinung nach schon eine meisterhafte Leistung war. Später am Tag darf ich dann feststellen, dass dieses Drehmanöver ein Kinderspiel war, aber dazu später mehr. Zurück auf der asphaltierten Strasse suchten wir dann einen „offiziellen“ Weg zu den Buchten im Norden der Insel.
Spätestens hier war der Moment, wo wir froh waren um den „Fehler“ bei der Autovermietung und wir begannen Loblieder auf unseren schnuggeligen Jeep zu singen. Denn nach etwa 500 Meter Teerstrasse, waren es nur noch Naturstrassen, die uns in den Norden führten. Stolz, die buckeligen Pisten bis zur Mandraki Beach geschafft zu haben, genehmigten wir uns einen kleinen Apero – griechischer Weisswein aus dem Tetrapack 🙈.
Von da aus ging es über Offroads weiter zur Asselinos Beach. Da soll es angeblich eine Taverna geben, die mit überraschend gutem Essen überzeugt. Wir können sagen, die Beach ist ganz nett, ruhig und gemütlich, aber die Überraschung beim Essen blieb aus.
Wir liessen uns davon aber nicht aufhalten und machten uns auf den Weg zur Micros Asselinos Beach, welche uns vom Autovermieter empfohlen wurde. Wouw, die ist ja super cool. Nur zu Fuss gelangt man zu dieser Beach und unten angekommen, weiss man auch, warum die Einheimischen diese Bucht als Geheimtipp handeln. Kleiner, überschaubarer Strand, mit wenigen Stühlen und Schirmen (die man übrigens für ein kleines Entgeld mieten kann), einer witzigen Taverna (witzige Bauweise), aber entscheidend ist das klare, türkisfarbene glasklare Wasser, was sie Bucht befüllt. Ein angenehmer sachter Wind sorgte für die nötige Kühlung.
Zurück beim Auto machten wir uns auf zur toten Stadt „Kastro“. Sie war einst die Hauptstadt der Insel und nur mittels einer Zugbrücke erreichbar. Gemäß Navi waren genau 14 km zu überwinden. Easy, dachte ich. Aber hallo – die 14 km wurden zum unerwarteten Abenteuer 🙈 Mittlerweile sind die Temperaturen auf über 30 Grad angestiegen und weil wir den 4×4 eingeschaltet haben, muss die Klimaanlage aus bleiben. So öffnen wir die Fenster, was zwar einen angenehmen Fahrtwind beschert, aber gleichzeitig werden wir mehr und mehr von einer Staubschicht überdeckte. Tapfer kämpfen wir uns auf den Offroad Routen durch, doch gleichzeitig wundere ich mich über die immer enger und gleichzeitig steiler werdenden Wege. Martina immer noch voll überzeugt von den Angaben der Google-Susi, dirigiert mich Richtung Kastro mit scharf links, rechts, links etc etc. Ich seh mich schon in einem 20-Minuten-Beitrag mit dem Header „Spektakuläre Rettungsaktion – Touristinnen vertrauten Google Map blind!“, aber Martinas Zuversicht ist nach wie vor ungebrochen. Mittlerweile fallen links und rechts vom Auto die Hänge gerade runter – genau eine Autobreite steht uns zur Verfügung. Und dann passierts, Google-Susi ruft hektisch „bitte wenden“ und gleichzeitig taucht eine Steinwand vor dem Jeep auf, die uns das Wegende offenbart. Na bravo! Dank einer kleinen Ausbuchtung können wir in einem vielfachen hin und her den Jeep wenden und eine etwas breitere Strasse suchen, die uns zur toten Stadt führt. Ich bin nach diesem Wendemanöver fix und fertig und habe wohl mehr geschwitzt als auf meinem morgendlichen Jogginglauf 😮🥵
Auch wenn die Strasse nicht wirklich einfacher wurde, sie führte uns schlussendlich nach Kastro. Ein Fussweg zu diesem Kleinod entlockte uns viele Ahs und Ohs. Die Aussicht auf die dazugehörige Bucht „Gialós Kástro“, die 1’000en Schmetterlinge, die uns begleiteten, die unerwartete Ruhe oben im Dorfkern, die erfrischende Athmosphäre beim alten Dorfbrunnen – es war schlicht ein eindrücklicher Ort, der uns rundum, nicht zu letzt auch wegen der ganzen Geschichte, verzauberte.
Anschliessend an diesen Besuch machten wir uns aufgrund der fortgeschrittenen Zeit auf in die heutige Hauptstadt der Insle Skiáthos, die sich im Süden der Insle befindet. Eine gemütliche Fahrt, über die uns mittlerweile vertrauten Offroad Strassen, brachte uns in den südlichen Teil der Insel. Ein kleines, äusserst schmuckes Städtchen mit verwinkelten, blumengeschmückten Gässchen, zahlreichen einladenden Lokalen, qualitativ hochstehenden Shops und einem Hafenquartier, das den Hauch von Piratengeschichten vermittelt.
Ein abenteuerlicher Tag mit super tollen Eindrücken geht zu Ende. Müde und voll mit Staub kehren wir in unsere Bucht „Kanapitsa“ zurück. Eine ruhige, saubere Beach mit stechendblauem Wasser. Unsere Oase, um die Seele baumeln zu lassen.