Das schmucke Dörfchen im östlichsten Zipfel der Schweiz, angrenzend an Österreich, ist bekannt als Zollfrei-Oase. Doch dieses schöne Fleckchen Erde hat weit mehr zu bieten als günstiger Treibstoff, Zigaretten oder Zucker. Klar – das alles und vieles mehr kann man hier unter anderem in den über 50 Shops kaufen – ein optimales Rahmenprogramm nach einem abwechslungsreichen Bike-, Wander- oder allgemeinen Naturtag.
Was mich an Samnaun fasziniert? Die Blumenvielfalt, der Dialekt, die Gastfreundschaft, die heimeligen Dorfteile, die Athmosphäre, welche unter anderem davonkommt, dass die Berge bis hoch zum Spitz grün überzogen sind. Sanft und dennoch imposant stehen die Hausberge da und wachen über dem Tal. Der Piz Ot z. B. steht genau über Samnaun Dorf. Egal von welcher Seite aus man ihn sieht – er ist einfach wunderschön! Vor rund 14 Jahren durfte ich diesen Berg besteigen und auf dem flächenmässig kleinen Spitz die Aussicht aufs Thal mit all seinen 5 Fraktionen geniessen. Ein normaler Bergweg führt hoch zum Piz Ot, doch eine Passage, die es definitiv in sich hat und wo man ohne wenn und aber schwindelfrei sein muss, ist besser nicht ohne Wanderführer zu bewältigen. Doch hat man das erst geschafft – wird man entschädigt von einer atemberaubenden Rundsicht!
An diesem genialen Herbst-Sonntag war jedoch nicht Piz Ot unser Ziel, sondern die Heidelberger Hütte. Mit dem lokalen Taxi Jenal durften wir die ersten Kilo- und Höhenmeter hinter uns bringen. Doch dann liefen wir los, Richtung Grenzübertritt nach Österreich. Schon sehr schnell hat Marco, der Jäger in unserer Gruppe, Murmeltiere gesichtet, die die frühe Morgenstunde beim Spielen genossen. Unweit davon weg, sah ich ein Wildtier – ist das ein Hirsch oder so was ähnliches? 🤔 Schallendes Lachen war die Reaktion von unserem Kenner, denn es war „nur“ eine Gemse – eine schöne zwar , aber eben halt doch kein Hirsch :-). Damit war der heutige running Gag gegeben und die einzigen Hirschen, die wir sahen, waren wir selber :-).
Über Stock und Stein ging es auf und ab und wir genossen jeden einzelne Schritt in vollen Zügen, was bei dieser Aussicht auch kein Wunder war. Weiterhin begleiteten uns viele Murmelis auf unserem Weg und manch scharfer Pfiff verriet unser Kommen. In der Heidelberger Hütte, welche übrigens auf Schweizer Boden steht, dem Deutschen Alpenverein gehört und von einem Österreicher bewirtet wird, schlich ein frecher, gut genährter Mung um die Wiesen und knabberte an all den saftigen Kräutern. Wir genossen gut 2.5 Stunden an der herrlichen Sonne, plauderten und schlemmten typischen Hüttenschmaus.
Doch dann hiess es – wieder von 2264 MüM rauf auf 2750 MüM und von dort den gleichen Weg mit all den Aufs und Abs zurück Richtung Zeblas. Dort wählten wir den direkten Abstieg nach Samnaun Dorf, welches auf 1850 MüM liegt. Geplaudert wurde sowohl am Hin- wie auch am Rückweg ausgiebig als Zeichen dafür, wie wohl, zufrieden und glücklich wir uns fühlten.
Zurück im Dorf gings nach Hause, wo die müden Knochen gehätschelt und getätschelt wurden. Eine unendlich tiefe Zufriedenheit über diesen perfekten Tag macht sich breit und suchtähnliches Bedürfnis, mehr davon zu erleben, kommt hoch.
Ich kenne Samnaun sehr gut – kein Wunder – durfte ich hier fast 3 Jahre als Tourismusdirektorin tätig sein. Das liegt nun schon 13 Jahre zurück und dennoch komme ich immer wieder gerne hier her und lass mich verzaubern von diesem einmaligen Tal.

















