Für unsere diesjährigen Hauptferien wählten wir (Steph und ich) Namibia als Reiseziel aus. Mit dem Anspruch selberfahrend, off road und primär Camping, ging es an die Routenplanung.
Wir nahmen diese Reise nicht alleine in Angriff, sondern waren begleitet von Irene (meiner Schwester), Stefi (meinem Schwager) sowie Charlotte und Peter (Freunde von uns allen). 3 Toyota Hilux mit Dachzelt, Küchenausstattung und Kühlschrank wurden für uns reserviert. Bei der Routenplanung erhielt ich Unterstützung von Franziska, von African Spirit Tours (www.instagram.com/AfricanSpiritTours.CapeTown)👍.
Namib bedeutet: Ort, wo nichts ist. Doch soviel kann ich vorwegnehmen – so ist es nicht. Im Gegenteil – für mich ist Namibia ein überraschend vielfältiges und abwechslungsreiches Land.






Am Flughafen trafen wir uns und gemütlich wie auch problemlos verlief alles bis zu unserem Reiseziel Windhoek. Angekommen, Gepäck gefasst, Geld gewechselt und SIM-Karte gekauft, führte uns ein Mitarbeitender von #Namibia2Go zur Fahrzeug-„Fassstelle“. Formalitäten erledigt, wurde uns die Handhabung des Fahrzeuges inkl. Dachzeltauf- und -abbau erläutert. Doch mit unseren geübten und campingerfahrenen Kollegen schien das alles easy zu sein und so waren wir in Null-Komma-Nichts auf der Strasse mit dem Ziel Shopping Center. Dies mit leichtem Zeitdruck, weil die Öffnungszeiten aufgrund des Feiertags „Auffahrt“ stark reduziert waren. Wann Ladenschluss wirklich ist, konnte niemand so richtig sagen 😄. Im Laden angekommen, waren wir überrascht über das grosse und vielfältige Angebot und durch den immer stärker werdenden Hunger, kauften wir für gefühlt eine halbe Armee ein. 😀 Autos vollgepackt, waren wir nun definitiv ready für die erste Etappe, welche mit rund 3 Stunden Fahrzeit vorgesehen war. Fasziniert von den endlos scheinenden, geraden Strassen, den wechselnden Landschaftsbildern und wechselnden Farben, genossen wir die ersten rund 300 km auf der Strasse. Rechtzeitig zur „golden hour“ fuhren wir durch das Gate zur Lodge Gondwana Kalahari Anib. Die rund 500 Meter bis zu den Gebäuden konnten wir nicht ohne zig Fotostopps vornehmen – Wahnsinn das Licht, die Farben und die unendlichen Weiten der Steppe. Die Fotosession gingen emsig weiter, als wir die Terrassenfenster in den jeweiligen Zimmern in Richtung Sonnenuntergang öffneten 😍.









Namibia ist seit 1992 unabhängig von Südafrika. Es gibt offiziell 11 Landessprachen, effektiv sprechen die Einwohner:innen aber über 30 unterschiedliche Sprachen. Englisch ist eine der zwei Amtssprachen. Im Jahr regnet es in Windhoek durchschnittlich 10 mm, im Vergleich zu Zürich, wo mit rund 1’300 mm gerechnet werden sollte. Warum ich den jährlichen Niederschlag erwähne? Weil wir am Tag der Rückreise in ein Gewitter gerieten. Ein sehr seltenes Ereignis in Namibia und wir waren mittendrin 🌧 ☔️😉.
Nun aber geht es in unserer Reise weiter. Fish River Canyon war das nächste Ziel und statt der vorgeschlagenen Route suchten wir uns die ersten, weniger bekannten Strassen, um das „Offroad-Feeling“ stärker zu erleben 😊. Auf diesem Untergrund bekommt Staub eine ganz andere Bedeutung 🙄. Die Mindestgeschwindigkeit von 80km/h war nötig, um die Unebenheiten der Strasse zu „überfliegen“. Und ich wiederhole mich bereits, und warne vor, das wird in diesem Bericht noch oft vorkommen: die unendlichen Weiten, die ständig ändernden Landschaftsbildern….einfach nur Wouw. Auf diesem Streckenabschnitt begleitete uns eine relativ neu scheinende Eisenbahnlinie. Jedesmal, wenn wir sie kreuzten, stand die Frage im Raum: „Wo kommt die her und wo führt sie hin?“ Es hatte was von „Wilden Westen“ 😉. Da unser Tagesziel Fish River Canyon war, wurde, je später der Tag, die Gegend hügeliger. Wobei die Berge selten einen Gipfel hatten, sondern wie abgeschnitten aussahen – Plattberge halt 😄. Fish River – der für das ausgespülte Gebirge verantwortlich ist, ist 650 km lang und schlängelt sich durch bis nach Südafrika.










Am Campingplatz angekommen, stellten wir unsere Fahrzeuge nicht auf je einen Platz, sondern wir nutzten die enorm grosszügigen Gegebenheiten pro Platz gemeinsam. Die Fahrzeuge wurden so gestellt, dass alle 3 Küchen nahe beieinander lagen und wir damit kurze Wege zwischen den verschiedenen „Kochherde“ hatten. Den Tisch stellten wir in die Mitte, nutzten die Fahrzeuge als Windschutz, und so war es fast schon kuschelig. Kaum angekommen, zauberte Charlotte das erste, frisch gebackene Brot dieser Reise. Die dafür speziell geeignete Pfanne haben sie von zu Hause mitgenommen – genau so wie den Kaffeekocher. Ich – als Camping-Neuling – war grad etwas sprachlos. Was es doch alles gibt?! Mit dieser speziellen Pfanne konnte auch Kartoffelgratin oder gar Muffins gezaubert werden und natürlich liessen wir es uns nicht nehmen, diese Möglichkeiten auszutesten – dazu komme ich aber später nochmals. Egal was auf den Tisch kam, es kam einem Festessen gleich. Die beiden Küchenfeen, Irene und Charlotte, verwöhnten uns mit ihren Künsten rundum. Sie wurden optimal ergänzt von unserem Grillmeister Stefi, welcher zu Hause eher als Grillmuffel bekannt ist. Wir anderen 3, Pitsch, Steph und ich, unterstützten, bereiteten zu, tischten auf, besorgten den Abwasch und waren für die flüssige Abrundung zuständig. Auch nicht eine zu unterschätzende Aufgaben 😋.





Nach der ersten Nacht im Dachzelt, stieg ich etwas ungelenkig aus dem Zelt. Ungelenkig vor allem deswegen, weil die Temperaturen nachts auf bis zu 4° Grad runterfielen. Meine „alten“ Knochen und Gelenke waren einem Schockzustand nahe, weshalb sie am Morgen jeweils etwas Anlaufschwierigkeiten zeigten😯.
An diesem ersten Morgen wollten wir die östliche Ausrichtung des Campingplatzes nutzen und den Sonnenaufgang miterleben. Unmittelbar bei unserem Rastplatz hatte es einen „kleinen“ Hügel, welchen wir rechtzeitig besteigen wollten. Rechtzeitig waren wir, auch eingehüllt in all unsere mitgebrachten Jacken, doch klein war der Hügel keineswegs. Vermeidlich oben angekommen, eröffnete sich dort ein weitläufiges Plateau. die Aussicht von da oben war atemberaubend und zeigte auch einmal mehr die unendlichen Weiten, die schier endlos wirkten. Wir spielten beim Fotografieren mit den Schatten, Belichtungen, etc. Die Männer suchten gleichzeitig die endlosen Weiten nach Tieren ab. Es war alles in allem eine fast ehrfürchtige Stille, jeder ging seinen Gedanken nach, und trotzdem verband uns das Erleben dieses Naturspektakels „Sonnenaufgang“.









Nach einem ausgiebigen Frühstück unter langsam immer wärmer werdenden Sonnenstrahlen, befuhren wir den Fish River Nationalpark und gönnten uns an einer Stelle einen rund 1 1/2-stündigen Spaziergang. Wir konnten uns den ganzen Tag lang nicht sattsehen und fotografierten alles, was uns vor die Linse kam.










Am nächsten Morgen ging es weiter nach Klein-Aus. Auf dieser Fahrt bekamen wir das 1. Mal Tiere vor die Kamera. Mit dem mitgebrachten Wakitalki meldeten wir uns gegenseitig, wenn jemand etwas erblickte. Doch 2 Herausforderungen zeigten sich manchmal als schwierig:
- Zu grosser Abstand zwischen den Fahrzeugen (wegen der starken Staubwolke, wenig bis kein Wind oder Gegenwind)
- Funken muss gelernt sein. Frau kann nicht einfach drauflos brüllen, wenn ein Elefant die Strasse kreuzt 😉, sondern muss geduldig den Knopf drücken, 1 Sekunde warten und dann sprechen. 😄
Aber abgesehen davon, war das eine tolle Sache! Danke Pitsch, dass diese Dinger auch noch in deinem Gepäckstück Platz fanden!
Doch zurück zu der heutigen Tagesetappe. In der Lodge angekommen, schnallten wir die Trekkingschuhe an und machten uns auf, die Gegend zu erkunden. Und wie üblich in dieser Gruppe, endeten wir auf einem canyon-ähnlichen Weg, wo man das Gefühl nicht los wurde, beobachtet zu werden und dass uns nächstens eine Bande auf Pferden überfallen wird. Okay, nicht gleich überfallen, aber mindestens erschrecken 🤠. Erstaunlicherweise geschah nichts der gleichen, sondern wir erreichten Aus wohlbehalten. Für uns Grund genug, im Restaurant/Hotel Bahnhof einen Drink zu genehmigen. Die Männer hielten sich an alt Bekanntem fest 🍻. Wir Frauen waren schon etwas mutiger und bestellten einen „Pain killer“ 🍹. Ich kann aber entwarnen, er war lecker ohne dass er unkontrollierte Nachwehen bescherte 🤗. Da wir uns noch nicht an das schnelle und vor allem frühe Einnachten gewöhnt hatten, eilten wir kurz vor 18.00 Uhr der Bahnlinie entlang zurück zur Lodge. Auf dem Weg war uns ein herrlicher Sonnenuntergang gegönnt.











Die nächste Tagesetappe war Lüderitz und die Geisterstadt „Kolmannskuppe“. Die rund 80 km boten einmal mehr vielfältige Landschaften. Traumhaft bis überraschend. Ca. 20 km nach Klein-Aus stoppten wir bei den wilden Pferden. Pitsch entdeckte ein neues Talent. Er mutierte regelrecht zum Pferdeflüsterer.
Lüderitz selber war die erste grössere Stadt (~16’000 Einwohner), wo wir den Meeranstoss genossen. Nach dem nötigen Einkauf wollten wir auf dem Heimweg die Geisterstadt Kolmannskuppe besichtigen. Doch gemäss Internet und dem örtlichen Informationsbüro wären die Besuchszeiten vorbei gewesen. Gottlob interpretierte man es vor Ort grosszügiger. So konnten wir dennoch gut eine Stunde, bewaffnet mit Fotoapparat und Windjacke, die verlassenen und mit Sand gefüllten Häuser besichtigen. Gewisse Gebäude, wie z. B. das Haus des Direktors oder des Buchhalters, erzählten trotz Leerstand viel von den glamourösen Zeiten; damals, als noch Diamanten abgebaut wurden. Irgendwie war es eindrücklich, gleichwohl auch komisch, ja fast schon unheimlich.



















Ja und dann gingen auf einmal die Pferde mit den Männern durch und sie brausten über einen kaum befahrenen Weg, hoch auf einen der Hügel. Zugegeben – das Gefühl von Freiheit, verbunden mit „etwas Verbotenes“ gemacht zu haben, liess uns leicht euphorisch werden 😄. Nach einem kleinen Lunch hinten auf der Ladeklappe, fuhren wir wieder weiter – zurück auf der offiziellen Strasse nach Klein-Aus.



Die nächste Etappe, nach Sesriem und damit in die Region von dem weltbekannten Sossousvlei, war für mich eine der Highlight-Etappe. Die Fahrt begann kurz nach Klein-Aus mit atemberaubenden Landschaften. Einfach fantastisch! Das eine oder andere Tier zeigte sich, meistens waren wir jedoch zu langsam, um es sauber festzuhalten. Und trotzdem war es einfach unvergesslich schön. 😄 Auf dieser Strecke passierte es dann auch das erste Mal – ein Reifen musste ersetzt werden. Für unsere Männer ging das aber ganz fix und ohne grosses Aufheben – im Gegenteil – ich wage zu sagen, dass das sogar eine willkommene Abwechslung darstellte 😎. In weniger als 15 Minuten war das Ersatzrad montiert 👍. Dass wir dann bei der Ankunft auf dem Campinplatz gleich auch noch das 2. Ersatzrad zum Einsatz kam, nutzten die Männer, um die 15 Minuten in der Wechselzone zu unterbieten.













Ja, und dann war es am nächsten Morgen soweit. Da wir ausserhalb des Gates übernachteten, hiess es Gateöffnung abwarten, bevor wir Richtung Sossouvlei und Big Daddy brausen konnten. Bevor wir uns vor dem Gate einreiten, holten wir in der nahe gelegenen Lounge unseren vorbestellten Frühstückskorb ab. Kaum war das Gate offen, fuhren wir los Richtung Big Daddy. Der Weg dahin war einfach atemberaubend, denn die Schattenspiele auf den Sanddünen begleiteten uns bis zum finalen Parkplatz. Damit wir dort ankommen konnten, galt es die letzten rund 4 Km auf reiner Sandpiste zu überstehen. Die „Jungs“ liebten diese Herausforderung – ich hingegen war froh, hatte nicht ich das Steuer in der Hand. Bevor wir Big Daddy erklommen, machten wir uns über den Frühstückskorb her, welcher ausgiebiger nicht hätte sein können: diverse Jogurt Sorten, Butter, Konfitüre, Müesli, Milch, Kaffee, Brot, Käse, Aufschnitt, frische Früchte…. es war so lecker, dass wir fast vergasen, warum wir überhaupt da sind 😉.





Doch dann machten wir uns auf den Weg zur Spitze der weltweit höchsten Düne – auch Crazy Düne oder Big Daddy genannt. Meine Begeisterung über die Vielfalt der Fotosujets kannte keine Grenzen. So wurde der eher mühsame Aufstieg (2 Schritte vorwärts und mindestens 1er zurück) fast zur Nebensache. Oben angekommen genossen wir die Aussicht auf alle anderen Sanddünen, die bis zum Horizont reichten und noch viiieel weiter. Und nun galt es, von dem Sandhügel runterzukommen. Den breite Abhang sprangen wir zu fünft in einer Reihe runter und Pitsch filmte dieses Ereignis. War das ein Spass die rund 500 Meter runterzuspringen! Unten angekommen leerten wir unsere Schuhe und erstellten damit eigene, kleine Sanddünen 😄. Mit diesem Abstieg befanden wir uns mitten im Death Vlei. Vlei bedeutet auf Afrikaans „Feuchtgebiet“ oder „Senke“. Da dieser flache See umgeben ist von kilometerweiten Sanddünen, ist dieses „death“ – sprich tot. Es kann in seltenen Fällen vorkommen, dass bei starken Niederschlägen in der Lehmsenke ein See bestehen bleibt und mit türkisblauem Wasser einen reizvollen Kontrast zur umliegenden Dünenlandschaft bietet. Auch wenn bei uns keine Spur von Wasser zu sehen war, faszinierte uns der ausgetrocknete, helle Lehmboden, die roten Sanddünen und dunklen Baumüberreste, so dass wir nicht aufhören konnten zu knipsen.














Auf dem Rückweg machten wir noch einen kurzen Abstecher zum „Sesriem Canyon“ und tobten uns dort bewegungstechnisch noch mit kleinen Klettereinlagen oder Steinkraxeleien aus 🧗♂️. Zurück auf dem Campsite liessen wir – Fahrzeug Stephika – die 2 defekten Reifen flicken.
Am nächsten Morgen ging es weiter mit dem Reiseziel Swakopmund. Und auch auf dieser Etappe waren wir begeistert von all den unterschiedlichen Landschaften. Unendliche Weiten mit schnurgeraden Strassen waren genau so Teil der Route wie canyonähnliche Passstrassen. Auch diese Etappe war null Gegenverkehr. Nichts und niemand begegnete uns. Das änderte sich ab der Düne 49, denn von dort aus gelangten wir in städtisches Gebiet von Walfischbucht und Swakopmund. In Swakopmund leben knapp 76’ooo Einwohner. Sie gilt als Aktivitätenhauptstadt Namibias und ist mit dem Hafen zu einem Wasserweg-Knotenpunkt geworden. Geschichtlich gesehen ist diese Küstenstadt von vielen Nationen (Portugiesen, Holländer, Briten und natürlich auch Deutschen) in Beschlag genommen worden und jede davon hat Spuren hinterlassen. Heute ist die Stadt die wichtigste Touristen-Destination des Landes. Das milde Kilma ist vor allem in den Monaten Dezember und Januar das Anziehungsmagnet schlecht hin. Wir hatten dort nicht so viel Glück mit dem milden Klima. Der morgendliche Nebel blieb bis weit nach 11.00 Uhr liegen und gegen Abend setzte der Nieselregen ein, angeblich eine saisonale Selbstverständlichkeit.












Am 2. Tag fuhren wir den überall angepriesenen Welwitschia Drive. Erwartet waren spektakuläre Offroad-Routen, die uns an der Welwitschia Pflanze vorbeibringen würden. Diese Pflanze ist schätzungsweise 1’500 Jahre alt und überzeugt mehr durch ihr Alter, als durch ihre Schönheit. Da die Offroad-Versprechungen nicht so atemberaubend waren, fuhren wir zurück in die Stadt und schlenderten durch die Strassen, erledigten das Shopping für die Daheimgebliebenen und liessen uns den Wind um die Ohren pfeifen.












Da das Wetter einfach nicht besser werden wollte und vor allem der bissig-kalte Wind uns für die nächste Campingstation Sorgen bereitete, entschieden wir kurzfristig, den geplanten Aufenthalt im Miles 108 auszulassen und weiterzufahren Richtung Ethosa. Dies natürlich nicht ohne Besuch beim Cape Cross, wo Hunderte von Robben ihre Nase in den Wind ragten. Es wird geschätzt, dass der Robbenbestand in Namibia bei rund 1,4 Millionen Tieren liegt. Es roch so, als dass sich mindestens die Hälfte davon an diesem Platz befand 🥴. In der Informationsbroschüre hiess es auch, dass dies der Ort sei, an dem innerhalb von 30 Tagen 90% der Jungen geboren werden. So wie es aussah, hatten wir genau diese geburtenstarke Zeit erwischt. Teilweise sahen die Kleinen aus, wie grad frisch geschlüpft – Augen zu, Fell noch richtig nass und die Mutter völlig erschöpft. Eines ist wohl übers ganze Jahr gleich – der unverkennbare Duft, welcher von diesem Ort ausging – puuhhh – noch Stunden später hatte ich das Gefühl, Robben zu riechen.










Damit wir von der Küste weg, grob Richtung Etosha fahren konnten, ging es der Skeleton Coast entlang. Dafür mussten wir das Ugab-Gate passieren. Ein wichtiger Kontrollpunkt zum nördlichen Skeleton Coast-Park. Was nirgends zu lesen war, ist, dass dieses Gate zwischen 15.00 Uhr und 08.00 Uhr nicht passiert werden kann. Ist man in diesem Park drin, ist es essentiell, dass man vor 19.00 Uhr das gegenüberliegende Gate bei Springbokwater passiert, sofern man nicht eine Übernachtung in der Skeleton Coast gebucht hat. Und wie es so sein sollte, waren wir genau um 15.15 Uhr am Gate. Super – und jetzt? Leicht verzweifelt stürmte ich ins Office, wo mich 3 Mitarbeitende mit einem breiten Lächeln begrüssten. Sie sahen mir wohl die Verzweiflung an und liessen mich sofort wissen, dass wir trotz der 15 Minuten „Verspätung“ noch durchfahren dürfen. Glück gehabt 🤗. Dieser Teil der Reise war für mich unerwartet, aber äusserst atemberaubend. Die unendlichen Weiten der Sandlandschaften sahen in Fahrtrichtung aus, als ob es schwarzer Sand ist. Schaute man jedoch zurück, war der Sand hell. Ich konnte mich nicht satt sehen und natürlich knipste der Auslöser der Kamera unaufhörlich. Der für diese Jahreszeit unüblich starke Wind war auch hier gut spürbar, sorgte aber für fast mystische Verhältnisse.











Am anderen Ende des Parks angekommen, waren wir auf ca. 950 m.ü.M. Und seit langem war es angenehm warm. Rund 4 Km nach dem Gate war ein Campingplatz, der uns für diese Nacht ein spontaner und absolut stimmiger Schlafplatz bot. Klein aber fein und wenn man ihn mit einem Wort beschreiben müsste, wäre wohl „Stille“ zutreffend. Nichts war zu hören – kein Verkehrslärm, keine Menschen, keine Lautsprecher oder was weiss ich – nichts ausser absolute Ruhe. Für uns alle war es einer der berührendsten Plätze. So eilten wir am nächsten Tag auch nicht gleich weiter, sondern erkundeten die nähere Umgebung zu Fuss und genossen einmal mehr die unendliche Weitsicht.














Der nächste Stopp war in Palmwag. Diese Übernachtung buchte ich von Swakopmund aus, da wir davon ausgingen, dass bei den ungewohnten Temperaturen eine Nacht im Miles 108 ausreichen würde. Zudem war gemäss Routenplanung vorgesehen, dass wir von Miles 108 direkt zum Westgate vom Etosha fahren. 7-8 Stunden reine Fahrzeit war dafür angekündigt gewesen. Also wollten wir diese lange, ja fast schon stressige Fahrzeit, durch das Einbauen einer „windfreien“ und hoffentlich wärmeren Etappe, verkürzen. Palmwag erschien uns passend. Da wir ja eher spontan schon in Steinbokwater waren, erwartete uns wohl die kürzeste Route überhaupt. Die Campsite liegt in einer „stock disease“ kontrollierten Area. Was das genau bedeutet, erfuhren wir erst am nächsten Tag. Als wir unseren Campingplatz bezogen hatten, ging das treibige Werkeln so richtig los, denn noch nie hatten wir so viel Zeit auf einem Platz. Stefi buk uns Schoggi-Muffins, Pitsch und Stephan flickten den Platten vom Auto „Junginger“ und die Frauen bereiteten das obligate Brot, als auch die Polpette vor, die zum Abendessen geplant waren. Trotz all diesem Wirken blieb ausgiebig Zeit für eine erfrischende Dusche und einen Apero in der nahe gelegenen Lodge.










Die nächste Etappe sollte uns zum Etosha-Park bringen, wo wir hofften ganz viele Tiere zu sehen. Entsprechend aufgeregt starteten wir die Tagesetappe. Kaum losgefahren, erreichten wir den Kontrollpunkt vom Vortag wieder. Dass da nebst dem gestrigen Kontrolleur auch eine in Tarnfarben gekleidete Frau stand, lies uns aufhorchen. Sie erkundigte sich bei uns – im 1. Auto – nach „boiled meat“. Wir verstanden die Frage nicht ganz, liessen sie jedoch wissen, dass wir nur Getränke im Kühlschrank haben. Natürlich wollte sie das sehen. Bevor ich ausstieg, funkte ich den anderen beiden Fahrzeugen, dass die Kühlschränke detailliert kontrolliert werden. Ich ahnte Böses. Erstaunt darüber, dass sowohl im Fahrzeug 1 und 2 (fast) ausschliesslich Alkohol in der Kühle war, wurde sie hingegen im 3. Fahrzeug fündig. Und zwar stiess sie dort auf nicht gekochtes Fleisch, was nicht ausgeführt werden darf. Sie bestand darauf, dass wir das Fleisch (3 Rindssteaks, 6 Schweinskoteletten und Bratspeck) entweder abgegeben oder kurz ins heisse Wasser tauchen, da kein Frischblut ausgeführt werden darf. Wirklich?? Sie verstand unsere Irritation darüber, dass uns am Vortag in keiner Weise dieser Hinweis erreichte, doch – trotz kurzem Zögern – hielt sie heroisch an den Vorgaben fest. Wir rechneten kurz durch, was diese Köstlichkeiten kosteten und entschieden dann, dass wir die total CHF 15.00 als Entwicklungshilfe investieren und das feine Fleisch dort liessen. Obwohl sie uns glauben machen wollten, dass sie es nicht selbst essen, hoffen wir doch, dass sie es getan und sich damit den Sonntag versüsst haben.
Unser Weg führte uns weiter über spannende Landschaftsgebiete. Da wir rund 100 km vor dem Etosha nicht auf der Teerstrasse fahren wollten, bogen wir auf eine offizielle Schotterstrasse ein. Leider blieben wir beim 3. Gate stecken und mussten umdrehen. Aber janu – es gibt Schlimmeres. Beim Parkeingang Galton Gate mussten wir die umfangreichen Papier- und Kontrollschritte über uns ergehen lassen. Der Kontrolleur war ein gesprächiger Mann und so gestaltete sich die Wartezeit unterhaltsam. Sobald das Okay vorlag, düsten wir weiter Richtung Unterkunft Dolomite Camp. Und hier sei nicht übertrieben das Wort „düsen“ zu verwenden. Fahrzeug 1 und 2 rasten förmlich über die Kiesstrassen und ignorierten die Temposchilder sowie den Mahnfinger der Beifahrerinnen. Das entgegenkommende Ranger-Fahrzeug konnte teilweise nur durch abrupte Bremsmanöver passiert werden. Und oha – beim 3. Fahrzeug – sprich bei Gubsers – liessen sie ihren Frust raus und meinten „wanna drive fast – leave park“. Ups – diesen Rüffel soll zwingend an die vorigen Fahrzeuge übermittelt werden, was Stefi auch pflichtbewusst machte. Wir 4 in den ersten beiden Fahrzeugen staunten nicht schlecht, als Stefi sich vor unseren Fahrzeugen aufbäumte 😲. Tiefbeeindruckt von dieser Ansage zügelten wir alle unser Temperament und fuhren gemächlicher zur Unterkunft. Die Nachtsafari verschoben wir auf den nächsten Morgen und versammelten uns vor dem Abendessen oberhalb des Wasserlochs, das vom Hotelgelände aus gut einsehbar war. Fasziniert von der vielfältigen Tierwelt die sich meist in Herden dort trafen, verpassten wir beinahe das Abendessen-Zeitfenster.









Kurz vor 06.00 Uhr wurden wir unerwartet heftig für die bevorstehende Safari geweckt. Die Treffpunktzeit wurde unklar kommuniziert, was uns den Tag im Speedmodus starten liess. Nur 15 Minuten nach dem unsanften Poltern an der Zimmertüre sassen wir auf dem offenen Jeep und wurden durch die kalte Nacht gefahren. Ja, es war um 06.15 Uhr, trotz Anfang Juni, noch stockdunkel und vor allem saumässig kalt. Diverse Wasserlöcher wurden angefahren und langsam aber sicher erwachten auch die vielen Tiere. Zebras, Giraffen, Spring- und Gemsböcke, Springböckli, Kudus, Kuhantilopen, Gnus, Schwarzfersenantilopen, Schwarznasenimpalas, diverse Vögel, Schakale, Wüstenfuchse und Strausse kreuzten unseren Weg – faszinierend, atemberaubend, naturnah. Die leise Enttäuschung darüber, dass wir keine Elefanten, Löwen oder Leoparden sahen, liessen wir nicht aufkommen, da wir wussten, dass wir die nächsten 3 Tage noch im über 22’270 km2 grossen Areal verweilen werden. Auch als die Sonne gegen 7.30 Uhr den Tag erhellte, konnten wir uns nicht wirklich aufwärmen. Retour in der Lodge spürten wir diverse Körperteile nur noch ansatzmässig und auch der lauwarme Kaffee beim Frühstück konnte nicht für ein effizientes Aufwärmen sorgen. Ich hab wohl noch nie so abartig gefroren, wie an diesem Morgen. Okay – das dachte ich in jenem Moment und wusste nicht, dass es die nächsten Tage nun so weitergehen wird.
















Der Etosha Park ist halb so gross wie die Schweiz. Ganz Namibia erstreckt sich über eine Fläche von 824’292 km2. Auf dieser unendlichen Fläche wohnen gesamthaft 2,963 Millionen Einwohner. Das gibt pro km2 3,55 Einwohner. Im Vergleich dazu hat die Schweiz im Jahre 2023 rund 8,96 Millionen, was pro km2 217,03 Personen bedeutet. Das ist sicherlich mitunter der Grund, wieso wir stundenlang über die Schotterstrassen Namibias fahren konnten, ohne einer Menschenseele zu begegnen – auch im Etosha selber begegneten wir nur äusserst selten anderen Fahrzeugen.
Nach dem Frühstück hiess es Koffer packen und die nächste Etappe erstreckte sich bis nach Okaukuejo. Dies soll einer der grösseren Campsites in diesem Park sein und entsprechend emsig ging es zu und her. In diesem Teil des Parks haben wir, trotz Nachtsafari, ergänzend „nur“ Nashörner und eine Eule gesehen. Bei den Nashörner sahen wir dafür die Spitzmaul- als auch Breitmaulnashörner. Keine Elefanten, Löwen und Leoparden. Die Nashörner besuchten uns 2x täglich beim Wasserloch, welches nur wenige Meter zu Fuss von unserem Campingplatz weg lag. Eine eindrückliche, fast ehrfürchtige Stimmung war rund um dieses Wasserloch und die Naturnähe, das respektvolle Begegnen den Tieren gegenüber und den hautnahen Einblick in die Hierarchie der Tierwelt ergriff und beeindruckte uns stark.
























Immer noch hoffend, mindestens Elefanten „live“ zu sehen, hielten wir auf dem Weg nach Namutoni bei Halali an. Gemäss Reiseführer soll dort ein Wasserloch sein, wo zu fast 100%iger Sicherheit über Mittag Elefanten anzutreffen sind. Nun wir gehören zu diesen Besuchern, wo das „fast“ griff, denn auch hier waren keine Elefanten zu sehen. Auf dem Weg nach Namutoni gab es noch weitere Tierherden zu bestaunen. Unglaublich wie viele Zebras es dort gibt 😲. Wusstest du, dass Zebras ein ausserordentlich feines Gehör haben? Weit vor allen anderen Tieren kann es den Feind hören, weshalb sich alle anderen Vierbeiner wie Gnus, Kudus, Springböcke, etc. gerne in ihrer Nähe aufhalten.






In Namutoni probierten wir es nochmals mit einer Nachtsafari. Da wir in Okaukuajo ergänzend zu den „gewohnten“ Tieren eine Eule beobachten konnten, waren wir zuversichtlich auch bei dieser Safari noch ein für uns „neues“ Tier erleben zu dürfen. Und siehe da, als wir alle schon fast aufgegeben hatten, querten 2 Elefantenbullen die Strasse. Wouw, das sind andere Kalieber als jene, die wir in Sri Lanka erlebten. Ich muss zugeben, der Puls ging leicht höher, vor allem dann noch, als der Fahrer einen grösseren Sicherheitsabstand zwischen uns und die Bullen brachte. Auf dieser Tour war die nächtliche Temperatur leicht über 10°Grad und der zur Verfügung gestellte Pokahonta schien wärmer als seine Vorgänger zu sein. So waren wir nicht ganz so durchfroren wie auf den anderen Touren. Dennoch war ich froh, dass nach dieser Nacht im Dachzelt das Campen vorerst abgeschlossen war. Ich sehnte mich nach einem kuschelig warmen Bett 🤩.








Nach dem Etosha stand die letzte Station Waterberg auf dem Programm. Ich war sehr gespannt, wie sich dieser Teil des Landes zeigen wird. Und ich sollte nicht enttäuscht werden, denn hier war alles wieder ganz anders. Aus dem nichts erhob sich nach stundenlangem Fahren über Sand- und Steppenstrassen eine riesige Felswand mit dichten Bäumen. Die Anfahrt hoch zur Lodge alleine war schon abenteuerlich und spektakulär. Und genau so spektakulär war auch die Aussicht. Vom Zimmer aus sahen wir runter auf Steppen bis zum Horizont. Am kleinen „Pool“ vor dem Zimmer hatten es sich bieber-ähnliche Tiere gemütlich gemacht. Hier wäre ich gerne einen Tag länger geblieben, um so die Umgebung zu erkundigen. Beim nächsten Mal….. 😉Am nächsten Morgen hingen die Wolken voll und ganz an der Felswand und beim Blick über die Ebene war ersichtlich, dass sich das, wieder unten im Tal, schnell ändern wird. Tja, das kennen wir ja auch von zu Hause, dass die Wolken an den Bergen hängen bleiben.














Auf dem Weg zurück zum Flughafen stoppten wir in Windhoek und schlenderten durch den Markt. Nach einer kleinen Stärkung machten wir uns auf, das Fahrzeug zurückzubringen. Das ging ratzfatz und kaum wissend was mit uns passiert, waren wir vor dem Flughafen. Der Rückflug mit Zwischenstopp in Frankfurt verlief ohne Zwischenfälle, so dass wir nur mit einer Gewitter bedingten Verspätung von 30 Minuten in Zürich landeten.
Es waren unglaublich eindrückliche, vielseitige, abenteuerliche, tierreiche, naturnahe, authentische und erlebnisreiche Ferien. Durch die 6 Personen in dieser Gruppe bot jeder jedem andere Perspektiven, was das individuelle Ferienerlebnis enorm erweiterte. Für diesen nicht geplanten, aber natürlich ermöglichten Mehrwert bin ich enorm dankbar 🫶. Mit euch allen gerne wieder 😍.























































































































































