Im freien Fall Richtung Erde

Vor zwei Jahren bekam ich zu Weihnachten ein Geschenk, das hatte es in sich. Okay, nicht grad in dem Moment, aber die Aussicht auf das Ereignis liess mir den Atem stocken….

…ich bekam einen Fallschirm-Sprung. Aus rund 4’200 müM soll es losgehen – mit 200 Sachen Richtung Erde. So steht es zumindest in der Broschüre, die beim Gutschein angehängt war.

Vor vielen Jahren war das ein Wunsch von mir. Ein Abenteuer, wie man es sich in jungen Jahren wohl noch häufig wünscht. Aber bin ich heute – rund in der Lebensmitte – wirklich noch mutig genug zu springen? Wegen Corona sollte dieser Sprung später stattfinden als geplant. Auch okay, zumal die Vorfreude angeblich die schönste Freude ist 😉

Ende September war es nun soweit. Wir fuhren zum Ausgangsort Triengen. Die Anspannung stieg mit jedem Meter, den wir dem Flugplatz näher kamen. Gleichwohl begrüsste uns eine mystische Herbststimmung, die völlig von den Unsicherheiten ablenkte. Im Gegenteil – ein Kneifen kam gar nicht mehr in Frage – dieser Tag war gemacht, um die Komforzone zu erweitern. Entsprechend motiviert und vor allem mutig meldeten wir uns als die ersten, die abspringen werden. Also rein ins Kombi, Instruktionen über Does and Dont’s sowie die fast schon mantraähnliche Aufforderung, geniessen, geniessen, geniessen. Alle Sicherheitschecks waren zigfach gemacht worden und dann war ich um 09.00 Uhr ready, den Pilatus Porter zu besteigen. Ehrlich – in dem Moment fühlte ich mich fast etwas wie Top Gun.

Wir waren zwei Tandemspringer und 2 Singel. Stephan und sein Tandempilot sassen unmittelbar neben der Türe am Boden und wir auf der schmalen Bank. Ich war völlig aus dem Häuschen, weil ich sage und schreibe 2 Jahre zuvor das letzte Mal geflogen bin. Ich genoss jeden Höhenmeter und die immer schönere Vogelperspektive, die mir beschert wurde. Bis wir auf rund 2’200 müM waren, ab dann wurde ich zunehmends ruhiger. Und dann war es soweit – die Türe wurde geöffnet und schon sind Stephan und sein Tandempartner verschwunden. Wusch – weg. Mir blieb das Herz stehen und ich hielt mich wie wild an der Bank fest. Mein Tandempartner verzweifelte fast, weil sich das Absprungfenster ungenutzt zu schliessen drohte. In der letzten Sekunde sprangen wir….ich den Blick starr auf den rasant näherkommenden Grund. Gefühlt wenige Sekunden nach dem Sprung, wurde auch schon der Fallschirm geöffnet. Effektiv waren es ca 45 Sekunden! 🙃 Und dann begann der „Segelteil“ des Abenteuers. Was für eine Aus- und Weitsicht! Einfach atemberaubend! Und da sah ich auch Stephan wieder, denn die beiden Piloten sorgten dafür, dass wir uns in der Luft kreuzten, was ein willkommenes Element war. Dann noch zwei drei Kurven und schnell schnell geniessen. Denn schon hiess es Beine hochziehen, die Landung wird vollzogen. Kaum zu glauben, dass seit dem Absprung rund 8 Minuten vergangen sind!

Natürlich wirkte das Adrenalin noch lange nach und viele kleine Details realisierte ich erst dadurch, dass ich von dem Erlebnis erzählte. Fast schade, dass das zeitlich so versetzt ins Bewusstsein gelangte. Doch unbestritten, ob mit allen Details oder nicht, es war für mich mal eine ganz andere Form des Fliegens. 🙂 Unvergesslich, nachhaltig, spektakulär!