Für unsere Hochzeitsreise wählten wir uns die Südsee aus, genauer gesagt Taha’a und Bora Bora. Auch wenn die Bilder im Internet schon toll aussahen, blieb eine gewisse Anspannung, wie die Tage im Paradies wirklich werden.
Und eines kann ich vorwegnehmen – es war paradiesisch 😍. Das aber nicht nur, weil das Meer, die Aussicht vom Wasser-Bungalow, die Strände atemberaubend waren, sondern auch weil die Menschen herzerwärmend freundlich und aufgestellt durchs Leben gehen. „Ia ora na“ ist allgegenwärtig und wird grosszügig geteilt. Ob sie mit einem der dreirädrigen Fahrrädern an uns vorbeidüsen oder zu Fuss begegnen oder wenn man irgendwo eintrat. Offiziell heisst es „guten Tag“ aber in ihrer Sprache heisst es viel mehr. „Mögst du gesund und wohlauf leben“. Es wird mir so viel Fröhlichkeit und Wärme ausgesprochen, dass es jedes Mal genau diese Massage im Herzen ankommt. Maeva heisst übrigens „Herzlich willkommen“.




Mit diesen guten Vibes begegneten wir dem Inselalltag, welcher uns total entschleunigte. Das wurde vom uns ständig begleitenden Vanillegschmack gefördert. Dieser liebliche, leicht süssliche Duft steigerte das Ferienfeeling exponentiell. Dazu aber später mehr.
Die ersten beiden Tage nutzten wir um den Alltag los- und uns auf die erhobenen, knapp 3 Wochen einzulassen. Der unglaubliche Blick von der Terrasse unseres Overwater-Bungalos hielt uns ab vom Lesen, Schlafen, Reden. Wir staunten raus aufs Meer und waren fasziniert von den unzähligen Blautönen, dem Wellenrauschen und den vorbeiziehenden Segelbooten.




Angekommen, machten wir uns auf, die Insel zu erkunden. Das Resort steht nicht auf der Hauptinsel Taha’a, sondern war erbaut auf dem „Motu“ – dem äusseren Kreis des Vulkans. So war nebst Sand auch viele schwarze Steine zu sehen. Teil der Insel war auch der Korallengarten, zu welchem zahlreiche Kleinboote chauffiert wurden, da dieses Spektakel nicht nur den Hotelgästen vorbehalten war. Wir gestehen ein, durch die Erlebnisse auf den Malediven, begeisterte uns die hier vorhandene Schnorchelwelt wenig.













Und natürlich wollten wir uns die Insel und so auch das Leben der Einheimischen näher bringen lassen. So buchten wir einen Ausflug, welcher begleitet wurde von Vairi, einem 27jährigen Jungunternehmer, welcher gleichzeitig reformierter Kirchenvertreter war und sich überregional vor allem für Junge engagiert. Dabei wird er von seiner sympathischen Frau Fara unterstützt.
Vairi führte uns aufgrund des gebuchten Programmes zu einer Perlenfarm. Die Spezialität der Südsee sind schwarze Perlen. Für mich sehr überraschend, dass diese Perlen nicht einfach so als schwarzes Produkt entstehen, sondern mit viel Handarbeit und vor allem viel Geduld so hergestellt werden. Die Tochter der Farm nannte es mehrfach puristisch, wie sie das Handwerk ausüben.
Nach den Perlen ist vor dem Vanille. 😉 Nachdem wir ein weiteres, schönes Stück der Küste entlangfuhren, bog er ab in einen kleinen ja fast gartenähnlichen Hof. Dort wurde ebenfalls in einfachsten Gegebenheiten gezeigt, wie die Vanille Produktion abläuft und welche Produkte sie daraus gewinnen. Das „schwarze“ Gold, wie sie es nennen, ist echt ausserordentlich Gschmackig und wird überall verwendet. Natürlich kamen wir nicht umhin einige Produkte zu kaufen.








Vairi und seine Frau haben für ihre Tourengäste einen herrlichen Aussichtsplatz geschaffen, von wo aus man wirklich eine geniale Weitsicht hat. Man sieht die längste Lagune der Insel, welche gut 500 Meter lang ist. Auch zeigte er uns von dort die Bäume, die das Inselbild stark prägen. Erstaunlich war für uns zu hören, dass diese eigentlich aus der Karibik importiert wurden, weil auf der Insel selber nur Kleinstreucher und Farn wuchsen. Heute hat sich der karibische Baum jedoch so ausgeweitet, dass es unvorstellbar ist, dass die nicht schon immer hier sein sollen.













Dass sie auf dieser Insel total mit und für die Natur leben, kamen wir an verschiedenen Orten zu sehen. So auch zum Beispiel bei der Rhum Destillerie. Auch hier arbeitet man sehr puristisch, mit ausrangierten Tools aus Frankreich, doch mit mindestens genau so viel Herz. Die vielseitige Verwendung der Zuckerrohrstangen und der diversen Abfallprodukte, war ein eindrücklicher Hinweis, dass nichts verschwendet wird. Und wenn man es nicht weiter verwenden kann, dann kann man immer noch eine Flöte daraus basteln 😆.
Uns hat die Insel so begeistert und die Zeit mit Vairi verging viel zu schnell, dass wir selber noch ein E-Scooter mieteten, um die uns noch unbekannten Lagunen, Dörfchen und Pässe zu entdecken. Der E-Scooter war wohl nicht konzipiert um 2 Personen zu transportieren. Auf jeden Fall mussten wir sämtliche Steigungen zu Fuss überwunden, weil sonst der Akku nicht gereicht hätte. Ich musste so lachen, dass ich kaum gehen konnte 🤣 und einmal hatte eine Frau erbarmen mit mir und nahm mich bis zum Gipfel mit. Stephan rief ich beim Vorbeifahren zu, dass ich oben auf ihn warte 😇😂. Die Insel hat eine Länge von 17 km, aber wenn man den verwinkelten Strassen folgt, kommt man gut und gerne auf 70km. 80% der Einheimischen sind in der Landwirtschaft tätig und nur gerade 10% sind im Tourismus. Das kommt sicher auch Fahrer, dass es nebst dem Resort kaum weitere Unterkünfte oder auch Restaurants hat. Dies spürt man jedoch auch in den Kontakten mit den Menschen. Egal ob auf dem Motu oder der Hauptinsel, die Menschen sind sehr freundlich und unbeschwert. Das ist äusserst erfrischend und berührend.


















Wir haben unter all den Menschen, denen wir begegnet sind auch öfters welche kennengelernt, bei denen das offensichtliche mit dem gefühlten bzw. gelebten Geschlecht nicht übereinstimmte. Die lebten das in so einer Selbstverständlichkeit, dass es uns im Herz berührte. Unsere Recherche hat ergeben, dass es in Polynesien schon seit jeher so ist, dass diese 3. Form ohne Aufsehen gelebt wird. Gemäss der Geschichte werden vorwiegend Jungs geboren, die sich eher dem weiblichen Geschlecht näher fühlen. Der Anteil ist jedoch nicht übermässig hoch, sondern absolut im internationalen Durchschnitt. Aber hier werden diese Menschen von der Gesellschaft unaufgeregt integriert, ja es wird ihnen gar eine klare Rolle in der Pflege und der Kindererziehung zugeordnet. In Tahiti werden sie Mōtū – in der Mitte – genannt und sind traditionell häufig in spirituelle Rollen wie Heiler, Lehrer oder Tänzer tätig. Herzöffnend, wie selbstverständlich sie in der Gesellschaft integriert sind und vorallem wie offen als auch wertstiftend sie ihr Leben gestalten.
Nach 8 Tagen der Erholung, Entdeckung und des Genusses ging es weiter nach Bora Bora. Der Flug ging frühmorgens, so dass wir bei Nacht und Nebel das wunderschöne Resort verlassen mussten. Der Flug verlief ohne nennenswerte Zwischenfälle und wir kamen pünktlich auf der neuen Insel an.







Wir müssen gestehen, hier ist es deutlich mehr vom Tourismus geprägt und die persönliche Note der Menschen im Resort auf Taha’a fehlt uns schon nach wenigen Momenten. Doch effektiv gab es auch hier nichts zu bemängeln. Im Gegenteil – auf Bora Bora war es sogar möglich tauchen zu gehen, so dass Stephan diese Chance nutzte. Leider hat El Nino auch hier einen grossen Einfluss und das Wetter verschlechterte sich zunehmend. Warm war es immer und das entschädigte jede Regenfront. Aber die vielen Blautöne, das paradiesische Nichtstun und Staunen, die vielseitige Wassersportmöglichleiten – all das wurde weniger genossen/beansprucht, wodurch der Liegestuhl mehr von uns abbekam.









Wo Bora Bora, beziehungsweise das Pearl Resort definitiv auftrumpfen konnte, war in der Küche. Das Abendessen im à la Carte Restaurant war schon überraschend hochstehend. Doch im Gourmet Restaurant war es dann einfach spektakulär, fantastisch und genüsslich – einfach wouw 🤩.









Ergänzend zu den Tauchsessions von Stephan erkundeten wir mit Guide Santi die Insel. Dieses Mal wählten wir dafür einen Quad aus. Huch…. ich hatte schon etwas Bammel vor dem monströsen Gefährt, aber schnell konnte ich es geniessen, über die Insel chauffiert zu werden 😄. Um zu einem atemberaubenden Aussichtspunkt zu gelangen, hiess es sich schnurgerade den Berg hochzukämpfen. Und wenn ich dachte, das Rauffahren ist eine Herausforderung, dann habe ich mich definitiv getäuscht – das Runterfahren war viel schlimmer 😲. Aber bevor es wieder runter ging, genossen wir die herrliche Aussicht. Wir waren wettermässig für einmal auf der sonnigen Seite und bekamen dort oben den Umfang der vielfältigen Blautöne, was diese Insel ausmachte klar zu sehen. Einfach nur herrlich 😍.





















Am nächsten Tag gelangten wir mit der Hotelfähre erneut auf die Insel und durchstöberten in Vaitape die Shops. Wir kamen mit etlichen Einheimischen ins Gespräch, was sehr interessant und unterhaltsam war. Wir kauften aber nichts, denn die zahlreichen, selbstgemachten Schmuckstücke sind da schön zu betrachten und verbunden mit den Geschichten jener Menschen, die sie gemacht haben, emotional. Aber sind wir ehrlich – zu Hause verschwinden die in einer Schublade.
Und bald schon war der letzte Abend da. Viel zu schnell – wenn es nach mir ginge. 😉 Vorgesehen war, dass wir an jenem Nachmittag/Abend eine Sunset- & Gourmettour machen dürfen. Eine Überraschung meines Spielgrüppli’s. Doch der Wettergott wollte es anders und kündigte Dauerregen an. Ganz sooo schlimm wurde es dann doch nicht, doch schlimm genug, so dass die Tour abgesagt wurde.
Für uns Grund genug uns zu erkundigen, ob dieses Wetter so normal ist, oder ob wir eine ausserordentliche Phase erwischten. Mit Stolz können wir berichten, dass wir von einem ausserordentlichen Wetterphänom begleitet wurden. Das Erleben wenige – aber wir waren dabei 😄🌧☔️. Janu – das Paradies braucht auch ab und an mal Wasser 😉.




Tahiti war auf der Rückreise nur ein Zwischenstopp, so dass wir am nächsten Morgen früh rechtzeitig am Flughafen sein konnten. Da auch hier das einmalige Wetter überhand nahm, sahen wir das sonst herrlich abwechslungsreiche Blau nur in Grau.
Unsere Reise ans andere Ende der Welt war aber rundum ein riesen Erlebnis und wir durften eine herzerwärmende Kultur kennenlernen, geniale Temperaturen, vielfältige Blautöne am Himmel und im Wasser und eine gechillte Atmosphäre geniessen. Was will man mehr?






